Pompe Deutschland e.V.

Gemeinsam mehr erreichen

Therapie

Neben symptomatischen Therapiemöglichkeiten (Ernährung, aerobes Ausdauertraining, nichtinvasive Heimbeatmung, Krankengymnastik) ist seit 2006 eine Enzymersatztherapie (enzyme replacement therapy, ERT) zugelassen. Das fehlende Enzym wird durch eine regelmäßig alle zwei Wochen stattfindende mehrstündige Infusion zugeführt, die wegen der möglichen Infusionsreaktionen in einer fachlich und personell darauf eingestellten Praxis bzw. Klinik erfolgen (siehe Pompe-Zentren) sollte; bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen besteht auch die Möglichkeit der Heimtherapie. Zur Therapie gehört die regelmäßige Verlaufskontrolle in einem Pompe-Zentrum.

Weitere und verbesserte therapeutische Optionen (verbesserte Enzymersatztherapie, Gentherapie) sind Gegenstand einer Reihe von Forschungsarbeiten und klinischer Studien. Neu diagnostizierte Patienten sollten ihre eventuelle Teilnahme an einer klinischen Studie erwägen, bevor sie mit einer kommerziellen Therapie beginnen, weil für einige Studien Voraussetzung ist, dass die Studienteilnehmer noch keine andere Therapie erhalten haben (treatment-naïve patients).

Die Wirksamkeit der Therapie kann durch begleitende Maßnahmen unterstützt werden, zum Beispiel eine individuell angepasste Physiotherapie.

In einer Studie (Safety and Efficacy of Clenbuterol in Individuals With Late-onset Pompe Disease and Receiving Enzyme Replacement Therapy, ClinicalTrials.gov Identifier: NCT01942590) wurde nachgewiesen, dass die Gabe von Clenbuterol die Wirkung der Enzymersatztherapie verstärken kann. Die Ergebnisse wurden in Correction of Biochemical Abnormalities and Improved Muscle Function in a Phase I/II Clinical Trial of Clenbuterol in Pompe Disease von Dwight D. Koeberl et al. (Molecular Therapy 2018, DOI: 10.1016/j.ymthe.2018.06.023) und Treatment With A New Drug Strengthens The Muscles Of Patients With Pompe Disease von Dwight Koeberl (Science Trends, 2018.
DOI: 10.31988/SciTrends.34647) veröffentlicht.

Vor der Zulassung der Enzymersatztherapie wurde die Ernährung als eine der wenigen Möglichkeiten angesehen, Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung zu nehmen. Einer proteinreichen und kohlenhydratarmen Ernährung wurden verschiedentlich Erfolge zugeschrieben, es gibt aber bislang keine durch wissenschaftliche Studien gesicherten Erkenntnisse. Es gibt einige Veröffentlichungen (z. B. von Slonim oder Bodamer), die sich mit Ernährungsfragen beschäftigen. Heute wird allgemein eine ausgewogene Ernährung empfohlen. Analog zu etablierten Behandlungsoptionen bei den ketotischen Glykogenosen (Typ III / M. Cori, Typ VI / M. Hers, Typ IX und Typ 0) und Einzelfallberichten zur Behandlung bei Glykogenose Typ V / M. McArdle wird eine ketogene Diät auch für M. Pompe als Maßnahme zur Reduzierung der Neubildung von Glykogen diskutiert (u. a. in einer Kooperation von FH und Universitätsklinikum Münster), ist aber wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht, um eine allgemeingültige Risiko-Nutzen-Analyse vornehmen zu können.

Die Gentherapie befindet sich nach über 30 Jahren Entwicklungszeit an der Schwelle vom Labor zur Klinik. Immer häufiger wird über therapeutische Erfolge berichtet, und auch M. Pompe ist im Fokus der Forschung. Der lesenswerte Beitrag "DNA: Kneten und Beten" von Erich Lederer gibt einen Überblick über die Geschichte der Forschung zur Gentherapie, über Methoden, Erfolge und ethische Fragestellungen.

Produkte
  • Myozyme (Hersteller: Genzyme Europe B.V., Gooimeer 10, 1411 DD Naarden, Niederlande); Lumizyme (für den US-amerikanischen Markt, von der FDA zugelassen)
  • Es ist derzeit kein weiteres kommerzielles Produkt am Markt erhältlich (Stand: Dezember 2016)
Literatur

A. T. van der Ploeg, M. E. Kruijshaar, A. Toscano, P. Laforêt, C. Angelini, R. H. Lachmann, S. I. Pascual Pascual, M. Roberts, K. Rösler, T. Stulnig, P. A. van Doorn, P. Y. K. Van den Bergh, J. Vissing, B. Schoser, and on behalf of the European Pompe Consortium 
European consensus for starting and stopping enzyme replacement therapy in adult patients with Pompe disease: a 10-year experience
European Journal of Neurology 24(6) 768–e31 (2017) - DOI: 10.1111/ene.13285

Consensus was reached on how the diagnosis of Pompe disease should be confirmed, when treatment should be started, reasons for stopping treatment and the use of ERT during pregnancy.

Chia-Feng Yang, Chen Chang Yang, Hsuan-Chieh Liao, Ling-Yi Huang, Chuan-Chi Chiang, Hui-Chen Ho, Chih-Jou Lai, Tzu-Hung Chu, Tsui-Feng Yang, Ting-Rong Hsu, Wen-Jue Soong, Dau-Ming Niu
Very Early Treatment for Infantile-Onset Pompe Disease Contributes to Better Outcomes
The Journal of Pediatrics 169 (2016) 174-180.e1 - DOI: 10.1016/j.jpeds.2015.10.078

ERT for patients with IOPD should be initiated as early as possible before irreversible damage occurs. Our results indicate that early identification of patients with IOPD allows for the very early initiation of ERT. Starting ERT even a few days earlier may lead to better patient outcomes.

A. Hahn, J.B. Hennermann, T. Marquardt, M. Huemer, M. Rohrbach, W. Müller-Felber, U. Mellies, F. Stehling, C. Kampmann, E. Mengel
M. Pompe im Kindesalter. Aktueller Stand der Diagnostik und Therapie
Monatsschrift Kinderheilkunde 160(12 1243–1250 (2012) - DOI: 10.1007/s00112-012-2789-z

Die Komplexität des Krankheitsbildes und die immer noch hohe Morbidität und Mortalität erfordern ein multidisziplinäres Behandlungskonzept und machen die Anbindung an ein Zentrum mit Erfahrung in der Betreuung von Kindern mit M.Pompe sinnvoll.

Edward J. Cupler, Kenneth I. Berger, Robert T. Leshner, Gil I. Wolfe, Jay J. Han, Richard J. Barohn, John T. Kissel
Consensus Treatment Recommendations for Late-onset Pompe Disease
Muscle Nerve 45(3) 319-333 (2012) - DOI: 10.1002/mus.22329

A multidisciplinary team should be involved to properly treat the pulmonary, neuromuscular, orthopedic, and gastrointestinal elements of late-onset Pompe disease. Presymptomatic patients with subtle objective signs of Pompe disease (and patients symptomatic at diagnosis) should begin treatment with enzyme replacement therapy (ERT) immediately; presymptomatic patients without symptoms or signs should be observed without use of ERT. After 1 year of ERT, patients’ condition should be reevaluated to determine whether ERT should be continued.

Priya S Kishnani, Robert D Steiner, Deeksha Bali, Kenneth Berger, Barry J Byrne, Laura E Case, John F Crowley, Steven Downs, R Rodney Howell, Richard M Kravitz, Joanne Mackey, Deborah Marsden, Anna Maria Martins, David S Millington, Marc Nicolino, Gwen O’grady, Marc C Patterson, David M Rapoport, Alfred Slonim, Carolyn T Spencer, Cynthia J Tifft and Michael S Watson
Pompe disease diagnosis and management guideline
Genetics in Medicine 8 267–288 (2006) - DOI: 10.1097/01.gim.0000218152.87434.f3

Consensus was developed in each area of diagnosis, treatment and management in the development of this guideline. This management guideline specifically addresses evaluation and diagnosis across multiple organ systems (cardiology, pulmonary, gastrointestinal/nutrition, musculoskeletal, neurological) involved in both infantile and late-onset Pompe disease.

Laura E. Case, Carl Bjartmar, Claire Morgan, Robin Casey, Joel Charrow, John P. Clancy, Majed Dasouki, Stephanie DeArmey, Khan Nedd, Mary Nevins, Heidi Peters, Dawn Phillips, Zachary Spigelman, Cynthia Tifft, Priya S. Kishnani
Safety and efficacy of alternative alglucosidase alfa regimens in Pompe disease
Neuromuscular Disorders, Volume 25, Issue 4, 2015, Pages 321-332 - DOI: 10.1016/j.nmd.2014.12.004 (Open Access)
Kommentar: Es gibt Hinweise darauf, dass die Standarddosierung von Myozyme (zweiwöchentlich 20 mg/kg Körpergewicht) zu niedrig sein könnte. In der Literatur gibt es viele Berichte über klinische Erfolge einer höheren Dosierung (zweiwöchentlich 40 mg/kg bis wöchentlich 40 mg/kg) bei Patienten der frühen Verlaufsform. In dieser Publikation wird über eine Studie berichtet, in der auch Patienten der späten Verlaufsform eine höhere Dosis erhalten haben.

Results were inconclusive but suggest that increased ERT dose may be beneficial in some patients with Pompe disease experiencing motor decline. Controlled studies are needed to clarify the benefits and risks of this strategy.

Jesa L. Landis, Holly Hyland, Steven J. Kindel, Ann Punnoose, Gabrielle C. Geddes
Pompe disease treatment with twice a week high dose alglucoside alfa in a patient with severe dilated cardiomyopathy
Molecular Genetics and Metabolism Reports 16, September 2018, Pages 1-4 - DOI: 10.1016/j.ymgmr.2018.05.002 (Open Access)
Kommentar: In diesem Fallbericht wird beschrieben, dass ein schwerbetroffenes 3 Monate altes Kind mit starker Herzbeteiligung 21 Infusionen mit 40 mg/kg zweimal pro Woche erhalten hat - dies entspricht dem Achtfachen der üblichen Dosis (20 mg/kg alle zwei Wochen). Im Alter von 6 Monaten wurde die Dosis auf 40 mg/kg pro Woche halbiert.

The patient responded well to 40 mg/kg twice a week treatment without adverse reactions and significant clinical improvement.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und gibt keine individuellen Behandlungsempfehlungen. Pompe Deutschland bewertet oder bevorzugt keine Produkte, Organisationen oder Unternehmen. Für Fragen der medizinischen Versorgung sollten die behandelnden Ärzte konsultiert werden.

Ausgewählte wissenschaftliche Publikationen

Zum Weiterlesen: Kategorie Publikationen in den Weblinks

Geschichte des M. Pompe

1932
Erstbeschreibung durch den niederländischen Arzt Joannes Cassanius Pompe (1901-1945) an einem 7 Monate alten Kind

1954
Definition als Glykogenspeicherkrankheit durch Gerty T. Cori (1896-1957)

1963
Beschreibung des Zusammenhangs zwischen genetisch bedingtem Enzymmangel in Lysosomen und M. Pompe durch Henri-Géry Hers (1923-2008)

1979
Entdeckung des für M. Pompe verantwortlichen Gendefekts

1999
Erste klinische Studien

2006
Zulassung der Enzymersatztherapie

Quellen

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